
Die Bibel lesen – aber wie? 4 Methoden für jedes Zeitbudget
Einfach Lesen
Es gibt unzählige Methoden, wie man die Bibel lesen kann, welche Fragen man stellt, welche Hilfsmittel man benutzt, wie und wann man betet, mit welchen Farben man die Bibel markiert, ob man überhaupt markiert und so weiter… das Wichtigste ist und bleibt schlussendlich: Lies sie einfach! Egal wann, egal wie lange, egal mit welcher Methode. Lies die Bibel. Denn:
Das Wort von Gott wird nicht ohne Wirkung bleiben. (Jesaja 55.11)
Wenn wir uns Gott nahen, wird er sich auch uns nähern. (Jakobus 4.8)
Gott selbst wird uns helfen, sein Wort zu verstehen. (2. Timotheus 2.7)
Die Bibel ist Gottes Wort an uns – also gut und wichtig . (2. Timotheus 3.16-17)
Wenn du aber momentan Mühe mit dem Bibellesen hast, dir die Motivation fehlt (dann würde ich dir auch empfehlen, The Chosen zu schauen) oder du schlicht nicht weisst, wie du die Bibel überhaupt lesen kannst, dann zeige ich dir hier gerne vier ganz einfache Methoden – egal wie lange (oder kurz) du Zeit hast.
Ich habe beispielsweise nicht jeden Tag gleich lang Zeit, um in der Bibel zu lesen. Das bedeutet aber auch, dass meine sogenannte „Stille Zeit“ nicht immer gleich aussieht, ich mich also nicht supergenau an ein Raster halte (relax!). Weiter unten erhältst du einen praktischen Einblick in meine Bibellesezeit.
Wie du überhaupt die Zeit mit Gott in deinen Alltag integrieren kannst – egal ob mit oder ohne Kinder- findest du hier.
Methoden, die Bibel zu lesen
Jetzt geht es aber darum, dass du die Bibel irgendwie vor dir hast – und dann? Ich bin meistens vor, während und nach dem Bibellesen mit Gott im Gespräch, bete zu ihm, stelle Fragen, bitte ihn, mir zu helfen sein Wort zu verstehen. Ich möchte dir ans Herz legen, mindestens einmal vor oder nach dem Bibellesen zu beten – egal, welche Methode du anwendest. Die Bibel ist nicht immer einfach zu verstehen, aber Gott wird dir das nötige Verständnis geben, wenn du ihn darum bittest (2. Timotheus 2.7, Jakobus 1.5). Deshalb ist das Gebet – unter anderem – so wichtig.
Methode 1: Es muss schnell gehen
Du hast – wenn überhaupt – nur ein paar wenige Minuten? Okay, schnapp dir Bibel, lies einen Abschnitt und bete. Was kannst du in der kurzen Zeit lesen? Hier ein paar Ideen:
- Die Tageslosung
- Einen Psalm (oder Abschnitt davon)
- Ein paar Sprüche aus dem Buch der Sprüche
- Aktuelles Kapitel von VersfürVers – mit der Methode schaffst es auch du ein ganzes Kapitel in einem Monat auf nachhaltige Art und Weise zu lesen 😉
Du kannst natürlich auch einen Abschnitt aus irgendeinem Buch der Bibel lesen oder deinen aktuellen Bibelleseplan verfolgen, wenn du einen hast. Wenn ich aber wirklich nur ganz knapp Zeit habe, mag ich die Psalmen oder Sprüche, weil sie auch gut verständlich sind ohne die vorherigen oder nachfolgenden Absätze zu lesen.
Vergiss dabei das Gebet nicht! Mit Gott zu reden ist so wichtig für die Beziehung mit ihm! Wenn ich wirklich nur ganz kurz Zeit habe, bete ich dann manchmal auch während ich die Kinder wickle, den Abwasch mache oder zum Einkaufen fahre. Du musst nicht immer auf deinen Knien in einer ruhigen Ecke sein, um beten zu können. Wichtig ist, dass du mit Gott in Kontakt bist.
Methode 2: Für ein Kapitel reicht die Zeit wahrscheinlich
Wunderbar! Dann lies das nächste Kapitel von deinem Bibelleseplan, von VersfürVers oder wo auch immer du dran bist. Wenn du nicht weisst, wo du anfangen kannst, die Bibel zu lesen, dann helfe ich dir gerne hier weiter (Artikel folgt nächste Woche). Eine gute Hilfe sind Bibellesepläne. Du kannst auch eine längere Zeit immer wieder dasselbe Kapitel lesen und Gottes Wort auf dich wirken lassen, wie wir das beispielsweise bei VersfürVers machen.
Weiter bei deiner persönlichen Bibellese: Welcher Vers spricht dich besonders an oder findest du wichtig? Markiere dir während dem Lesen wichtige Stellen. Dazu kannst du das weiter unten beschriebene Farbkonzept nutzen.
Nimm dir anschliessend ein Notizbuch oder Papier und notiere einen Vers. Das Bibelschreiben hilft dabei, dir das Gelesene besser merken zu können und dich nochmals vertieft mit einem Vers im Fokus auseinanderzusetzen. Häufig begleitet mich der notierte Vers dann auch tagsüber.
Schliesse deine Stille Zeit mit Gott mit einem Gebet ab.
Methode 3: Ein paar Minuten länger darfs gehen
Bete bevor du anfängst zu lesen und gib Gott noch alles ab, was von deinen Gedanken und deinem Herzen weg muss, damit du dich ganz auf sein Wort einlassen kannst. Lies dann das Kapitel oder den Abschnitt, den du lesen möchtest. Methode 3 baut auf Methode 2 auf, sprich: auch hier helfen Bibellesepläne und auch hier kannst du den Text wie in Methode 2 beschrieben markieren.
Mit der Methode lassen wir die Bibel uns persönlich noch etwas mehr herausfordern als in der zweiten Methode. Nimm dir aber nach dem Lesen die Zeit, um auf Gott zu hören. Bitte ihn, dir beim Verstehen der Bibel zu helfen und dir zu zeigen, was er dir mit seinem Wort sagen möchte. Denke dann über den Text nach. Dabei können dir folgende Fragen weiterhelfen:
- Was lerne ich über Gott, Jesus und/oder den Heiligen Geist? Welche Charaktereigenschaften finde ich? Was ist Gott hier wichtig?
- Gibt es eine direkte Aufforderung an mich und meine Lebensweise? (z.B. seid gastfreundlich, seid nicht heuchlerisch, betet zu jederzeit, seid dankbar, bleibt bei Jesus, etc.)
- Kann ich etwas von den Personen lernen, die im Text vorkommen? Von ihren Fragen, ihrem Handeln, ihrem (Un-)glauben?
- Gibt es eine Zusage, ein Versprechen oder eine Warnung im Text? (bittet, und ihr werdet erhalten, etc.)
Schliesse dann deine Stille Zeit nochmals mit einem Gebet ab.
Methode 4: Ich habe Zeit
Hier bauen wir Methode 3 nochmals aus. In der dritten Methode ging es vor allem um den persönlichen Bezug zum Bibeltext. Mit dieser Methode aber schaust du dir den Text noch etwas genauer im biblischen Zusammenhang an. Wenn du also wie in Methode 3 beschrieben über den Bibeltext nachgedacht hast, kannst du noch folgende Möglichkeiten ausprobieren, um den Text noch besser zu verstehen:
- Wortbedeutungen
Ist dir ein Wort besonders aufgefallen beim Lesen? Eventuell wird es besonders oft wiederholt, fasst das Thema des Abschnittes zusammen oder du verstehst einfach nicht genau, was damit gemeint ist. Dann recherchiere, was dieses Wort bedeutet. Dabei helfen dir natürlich das Internet, aber auch eine Studienbibel mit Worterklärungen, ein Bibellexikon oder eventuell auch ein Bibelkommentar. - Querverweise
Suche nach Bibelstellen, die im gelesenen Abschnitt zitiert werden, auf die der Abschnitt hindeutet oder das Thema ebenfalls behandeln. Vielleicht weist deine Bibel per Fussnoten oder Randbemerkungen bereits auf andere Bibelstellen hin. Warum sollten wir Querverweise nachlesen? Sie helfen uns, die Bibel und ihre Lehre besser zu verstehen. Wir können prüfen, ob das, was wir meinen verstanden zu haben, auch mit anderen Aussagen der Bibel übereinstimmt. Die Bibel stellt uns ein bestimmtes Weltbild vor und erzählt dazu eine Geschichte – unsere Geschichte mit Gott. Die Querverweise helfen uns, die Geschichte besser zu verstehen und den Text entsprechend einordnen zu können. Zum Beispiel: Warum sagt Jesus das genau jetzt, genau so? Wo hat Gott das bereits angekündigt, darauf hingearbeitet?
Wenn du diese Methode gerne umsetzen möchtest, aber etwas Hilfe, Inspiration oder eine Anleitung benötigst, dann können dir sogenannte Bibellesehilfen oder Bibelstudien weiterhelfen. Es gibt sie in ganz kompakten, einfachen Formen bis hin zu ausführlichen Büchern. Bald schon wirst du auch hier Bibellesehilfen und Bibelstudien finden. Halte im Bereich „Downloads“ danach Ausschau.
Hilfsmittel
Um die Bibel besser zu verstehen, kann man diverse zusätzliche Hilfsmittel nutzen. Ich finde das gut und wichtig, aber das wichtigste bei alle dem ist und bleibt die Bibel selbst! Diese Hilfsmittel finde ich besonders hilfreich:
- Bibelkommentare
- Bibellexikon
- Diverse biblische Nachschlagewerke (Konkordanzen, Einführungen, Personenlexikon, Handbücher, etc.)
- Bibelstudien und Bibellesehilfen – gibt es in Formen von Downloads, Hefter, Bücher.
- Weitere Literatur (Es wurden schon diverse Bücher zu fast allen Büchern/Themen/Charakteren der Bibel geschrieben).
Ein Einblick in meine Stille Zeit
Du möchtest gerne wissen, wie das jetzt im Alltag aussehen könnte? Ich gebe dir gerne Einblick in meine Stille Zeit, die in etwa so aussieht (auch nicht immer…):
Ich stehe morgens auf, gehe ins Bad, lege meine Bücher (Bibel, Notizbuch und evtl. ein weiteres Buch wie ein Andachtsbuch oder aktuell „Tänzer und Stolperer“ von Bernhard Ott zur Bergpredigt) auf den Tisch, schalte den Wasserkocher an.
Dann geh ich auf dem Spielteppich neben der Küche auf die Knie, bete das Unser-Vater und schliesse anschliessend mein eigenes oder ein anderes vorformuliertes Gebet (aktuell erhalte ich per Mail 40 Tage lang jeden Tag ein Gebet, das ich für meinen Ehemann beten kann) an.
So und dann mache ich mir meinen Tee und sitze an den Küchentisch. Ich lese zuerst einen Abschnitt aus der Bibel und markiere die für mich wichtigen Stellen, Fragen, Personen, Orte mit dem unten beschrieben Farbsystem.
Schon während dem Lesen, lasse ich mich führen und schaue, ob Gott eine Stelle besonders für mich heraushebt. Wenn nicht, dann suche ich einen Vers heraus, den ich abschreiben kann – weil ich den Inhalt gut oder herausfordernd finde, oder weil er das Gelesene auf den Punkt bringt. Auch wenn ich vom Bibelschreiben überzogen bin, überspringe ich diesen Schritt manchmal.
Während dem Lesen und danach stelle ich mir die in Methode 3 erwähnten Fragen. Manchmal beachte ich nur eine Frage und bleibe da hängen, manchmal beantworte ich mehrere. Ich gehe sie nicht stur der Reihe nach durch.
Danach bete ich nochmals mit dem, was ich gelesen habe und bitte Gott um Hilfe es umzusetzen.
Das Ganze dauert mal 10 Minuten, mal 1 Stunde – je nachdem wieviel Zeit ich habe bzw. wie lange die Kinder schlafen, ob ich tagsüber noch weiterlese oder nicht. Manchmal endet meine Stille Zeit schon nach dem Unser-Vater oder nach zwei Sätzen, die ich in der Bibel gelesen habe, weil ich unterbrochen werde. Manchmal ist die Unterbrechung eine Sache von ein paar Sekunden, manchmal muss ich das Bibellesen aufschieben bis am Abend. Und dann gibt es Tage, an denen einfach alles darunter und darüber geht – da freue ich mich umso mehr auf die Zeit mit Gott am nächsten Tag.
Du siehst also: Die Methoden sollen Hilfsmittel sein, die uns anleiten, motivieren und weiterhelfen, wenn wir nicht genau wissen, was wir mit dem Buch der Bücher machen sollen. Mehr nicht. Sie sind keine Zauberformel, die uns automatisch mehr Verständnis, Begeisterung oder Wachstum bringen. Und sie sollen schon gar nicht einen Zwang sein, die Bibel genau so – und nur so – zu lesen. Deshalb sind sie auch möglichst offen gehalten.
Zu guter Letzt gebe ich dir also noch das oben oft erwähnte Farbsystem mit, um deine Bibel zu markieren:
Bibel markieren – ein Farbsystem
Weshalb überhaupt mit einem Farbsystem arbeiten? Es gibt einige Vorteile, ich nenne dir hier zwei der für mich relevantesten:
Du findest Texte schneller wieder und du erkennst Zusammenhänge/Hauptthemen über mehrere Abschnitte hinweg, da sich dieselbe Farbe immer wieder wiederholt.
Manche Bibelstellen lassen sich natürlich theoretisch mit mehreren Farben markieren. Ich übermale den Satz dann jeweils mit einer Farbe und unterstreiche ihn mit der anderen Farbe.
Wir haben dieses Farbsystem in der Ausbildung von einem Dozenten erhalten. Es gibt auch noch andere (frag Google), aber für mich passt es. Du kannst es natürlich gerne anpassen oder ganz anders machen. Das Farbystem findest du mit ein paar kurzen Erklärungen als kostenlosen Download hier.

Gebet
Herr, danke für dein Wort, durch das du dich selbst uns offenbarst. Danke, bist du ein Gott, der sich nicht versteckt, sondern sich uns zeigen möchte. Danke für die Ermutigungen, Zusagen und Weisheiten, die wir darin für unser Leben finden dürfen. Danke für dein klares und barmherziges Wort zu unseren Sünden und Verfehlungen.
Herr, du sagst, dass du uns Verständnis für dein Wort schenken wirst (2. Timotheus 2.7). Ich bitte dich, dass du dies für uns tust. Hilf uns, dein Wort zu verstehen und lass in uns die Kraft wachsen, dein Wort dann auch umzusetzen. Hilf uns, zu lieben und unser Denken von deinem Wort verändern zu lassen (Römer 12.1-2). Zeig uns, wie wir mit deinem Wort umgehen können und schenk uns immer wieder neue Freude am deinem Wort.
Amen.
Bibelstellen
Jesaja 55.11
Jakobus 4.8
2. Timotheus 2.7
2. Timotheus 3.16-17
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